Verbio schaut ins Ausland - Dividendensteigerung für Gj. 2015-16 in Sicht

February 1, 2016

Die diesjährige ordentliche Hauptversammlung der VERBIO Vereinigte BioEnergie AG in Leipzig am 29.01.2016 verlief nach unserem Eindruck in freundlicher, ja „familiärer“ Atmosphäre. Eine Präsenz von über 80 % wurde registriert; alle Abstimmungspunkte – auch TOP 7 (Verzicht auf die individualisierte Angabe der Bezüge der Vorstandsmitglieder) - wurden mit großer Mehrheit angenommen. Das abgeschlossene Geschäftsjahr war das erfolgreichste seit dem Börsengang im Jahr 2006! Aufgrund der positiven Ertragslage wurde der HV erstmalig die Ausschüttung einer Dividende in Höhe von € 0,10 pro Aktie vorgeschlagen und angenommen.

Für die Zukunft wird bei gleichbleibenden Rahmenbedingungen eine kontinuierliche Dividendenausschüttung angestrebt, so die offizielle Formulierung. Von Seiten des Aufsichtsrats wurde die künftige Dividendenpolitik vertiefend erläutert. Zum Einen verwies der AR-Vorsitzende Alexander von Witzleben auf die Zielsetzung der Ausschüttungskontinuität, zum Anderen schränkte er diese insoweit ein, als dass die wirtschaftliche Tragfähigkeit, wie auch Passigkeit mit der strategischen Unternehmensentwicklung (wie Investitionen, Zukäufe etc.) immer geprüft werden muss und wird. Dies vorweggeschickt, wollte man schließlich einer möglichen Ausschüttung von € 0,15/Aktie für das Gj.2015-16 nicht widersprechen!

 

 

Nach der neusten Management-Prognose wird der Ertrag im laufenden Geschäftsjahr 2015-16 zum Vorjahr deutlich gesteigert werden können. Die Aufstockung der Finanzprognose am 25.01.16 hatte denn auch explizit ihre Begründung in dem starken Verlauf des Q2/15-16 (Details am 04.02.16) sowie dem aktuell guten Auftragsbestand für die zweite Hälfte des Gj. 2015-16. Claus Sauter bekräftigte die aktuell gültige Guidance, die unter Zugrundelegung des aktuellen Absatz- und Rohstoffpreisniveaus sowie der angestrebten Produktionsauslastung davon ausgeht, im Gj. 2015-16 ein EBITDA in der Größenordnung von € 70 Mio. zu erzielen sowie das Net-Cash bis zum Ende des Geschäftsjahres auf eine Größenordnung von € 58 Mio. zu steigern.

Der Bericht des CEO Claus Sauter und über 80 Fragen von Anteilseignern und Aktionärsvertretern bildeten die Grundlage für eine rege Aussprache zwischen Aktionariat und Unternehmensleitung bzw. Aufsichtsrat. Es wurde deutlich, dass VERBIO nach schwierigen Jahren ihren Platz im Markt gefunden hat und seither aktiv eine Expansionsstrategie verfolgt. Entscheidende Grundlage des Geschäfts sind die Biokraftstoffe der ersten Generation (Bio-Diesel und Bio-Ethanol): die Rahmensetzung der EU-Kommission („RED“) wurde begrüßt (bis 2020 Steigerung des Beimischungsanteil auf 7 %). Die absehbaren Preis- und Mengenperspektiven eröffnen VERBIO, als kostengünstigen Vollsortimenter, erfreuliche Aussichten - trotz schwachem Rohölpreisniveau. In der Aussprache wurde deutlich, dass ein schwacher Euro-Kurs zum US$ von herausragender und die Mengendisziplin der Marktteilnehmer von großer Bedeutung für die Preisperspektiven sind. In seiner Rede betonte VERBIO-Vorstand Claus Sauter, dass die seit dem 01.01.2015 geltende Treibhausgasreduktionsquote in Deutschland erfolgreich eingeführt wurde. Allerdings sei die Quote mit 3,5 % viel zu niedrig festgesetzt. Denn die deutschen Biokraftstoffe sind viel nachhaltiger als von den meisten Experten erwartet und reduzieren die Treibhausgase gegenüber Diesel und Benzin um fast 70%. Aufgrund der zu niedrigen Quote ist der Absatz von Biodiesel und Bioethanol im letzten Jahr um fast 6 % zurückgegangen. Auch im laufenden Turnus ist ein Trendwechsel nicht zu erkennen, was eine globale Absatzsteigerung im Inland nur schwer möglich macht und manche Wettbewerber dazu zwingt weiterhin Kapazitäten vom Markt zu nehmen. Die inzwischen von VERBIO erreichte Kosteneffizienz und Produktvielfalt erlaubt es den Sachsen auch in dieser Situation mit hohen Auslastungen eine sehr erfreuliche Marge zu erarbeiten.

Vor diesem Hintergrund kann sich das VERBIO-Management vorstellen, bei der Konsolidierung des europäischen Biokraftstoffmarktes eine aktive Rolle zu spielen, sofern sich interessante Gelegenheiten bieten. Die Marktbereinigung in Spanien (mögliche Insolvenz von Abengoa S.A.) verfolgt man also recht aufmerksam; u.E. allerdings scheint das aber momentan nicht von strategischer Top-Priorität.

Einen zentralen Punkt der Unternehmensstrategie bilden fortschrittliche Biokraftstoffe der zweiten Generation, die aus Nicht-Nahrungsmittel-Rohstoffen, wie z. B. Getreidestroh, hergestellt werden. VERBIO produziert bereits seit Ende 2014 im Rahmen des Europäischen Förderprojektes NER300 am Standort Schwedt einen solchen Biokraftstoff der zweiten Generation in Form von Biomethan aus 100 % Getreidestroh und speist diesen Energieträger in das Erdgasnetz ein. Der Absatz erfolgt überwiegend über Stadtwerke. Eine zügige Absatzexpansion ist allerdings u.E. schwierig, denn der zugängliche Markt ist begrenzt. Umso erfreulicher ist, dass die EU-Kommission eine Quote von 0,5 % für fortschrittliche Biokraftstoffe ab 2018 vorschlägt. Deshalb fordert VERBIO eine raschere Anhebung der Treibhausgasreduktionsquote sowie die Einführung einer eigenen verbindlichen Unterquote für fortschrittliche Biokraftstoffe der zweiten Generation, um die Energiewende und den Klimaschutz im Verkehrssektor endlich voranzubringen. Unser Eindruck: VERBIO seinerseits wäre für eine Geschäftsausweitung gerüstet.

Der VERBIO-Vorstand denkt unterdessen über den europäischen Markt hinaus. Ein spürbar großes Wachstumspotenzial für Biomethan aus Stroh sieht der Vorstand - erst recht nach der Klimakonferenz in Paris und den sich häufenden SMOG-Alarmen in VR China und Indien - auf internationaler Ebene. Hier gilt es, nach unserem Eindruck, aber nicht ohne die zwingend nötige lokale Expertise voranzuschreiten. Konkrete Schritte wurden nicht bekanntgegeben.

Intern konzentriert sich das Unternehmen auf die Technologieoptimierung zur weiteren Effizienzsteigerung der Anlagen und Senkung der Produktionskosten. Darüber hinaus soll die Abhängigkeit vom Biokraftstoffgeschäft durch die Entwicklung neuer Produkte aus dem bestehenden Rohstoffportfolio verringert werden. Ein Beispiel dafür ist die am Standort Bitterfeld neu in Betrieb genommene Sterol-Produktion. Sterol ist ein Nebenprodukt der Biodiesel-Produktion aus Pflanzenöl und wird in der Nahrungsmittelindustrie als Cholesterinsenker, sowie in der Pharmaindustrie zur Herstellung von Hormonpräparaten genutzt. Erste Kunden sind gewonnen; nennenswerte Erlöse hieraus könnten aus unserer Sicht ab Gj. 2016-17 in die Konzernzahlen einfließen.

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