Jenoptik ist für 2016 verhalten optimistisch

February 1, 2016

„Wir sind strategisch richtig aufgestellt und werden angesichts der aktuellen Geschäftserwartungen 2016 unseren Kurs des profitablen Wachstums fortsetzen“, das betone Jenoptik-Chef Michael Mertin auf dem 25. Neujahrsempfang in Jena am 26.01.2016 und wiederholte damit seine Einschätzung, die er am gleichen Tag zuvor in der Telefonkonferenz gegenüber Analysten machte.

Alle Beteiligten sind sich einig; der Rückenwind der vergangenen Quartale, gespeist aus Weltkonjunktur und Euroschwäche nimmt ab, während die Unsicherheiten eher zunehmen. Jenoptik muss den Wandel vom „Global Seller“ zum „Global Player“ weiter, ja schneller, vorantreiben. Ertüchtigungs- und Optimierungsmaßnahmen werden umso wichtiger. Diese Botschaft war in Jena klar zu hören! Mit inzwischen rekordniedriger Nettoverschuldung ist die finanzielle Stärke und Handlungsfähigkeit u.E. größer denn je..

Offensichtlich wird ein dejá vu des Geschäftsgangs 2015 im laufenden Turnus nicht erwartet. 2015 profitierte das operative Geschäft insbesondere von einer verbesserten Investitionstätigkeit in der Automobilindustrie, einer stärkeren Nachfrage nach optoelektronischen Modulen sowie projektbedingten Abrechnungen von Großaufträgen im Segment Verteidigung & Zivile Systeme.

CEO Dr. Mertin verwies auf Bundeswirtschaftsminister Gabriel, der jüngst darauf hinwies, dass "angesichts der guten Rahmenbedingungen wie dem niedrigen Ölpreis und dem günstigen Wechselkurs die wirtschaftliche Dynamik oberhalb von derzeit 1,7 % Wirtschaftswachstum liegen müsste". Maßgeblich getragen würde diese wirtschaftliche Entwicklung von der Binnenkonjunktur: Treiber sei der private Konsum. Das Fazit: Deutschland bleibe unter seinen Möglichkeiten. Deutschland müsse etwa bei Forschung und Entwicklung, bei der Digitalisierung und der Elektromobilität besser werden, forderte der Minister. Alles Themen, die für Jenoptik von großer Bedeutung sind, jedoch für das laufende Jahr u.E. keinen Einfluss haben dürften.

Hingegen deuten die Globalprognosen für den Automobilmarkt - zumindest für 2016 - auf eine Schwächephase hin. In Jena schaut man umso mehr mit Sorge auf die „Dieselgate“-initiierte Verunsicherung in der Automobilindustrie. Erst jüngst sah sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) veranlasst, sich öffentlich gegen Spekulationen über einen Job-Abbau bei Volkswagen zu wenden. Sollten über die adhoc-Maßnahmen aus Berlin, Washington und Brüssel hinaus weiterreichende Regulierungsänderungen die Zukunft des Technologiepfads verändern, hätte das massive und längerfristige Auswirkungen auf eine der wichtigen Kundengruppen des Jenoptik-Konzerns.

Für die Kundengruppen aus der Halbleiterindustrie sehen die Globalprognosen auch im laufenden Jahr eine Schwächephase. Darauf hat sich Jenoptik bereits vor Jahren mit einer Stärkung des Systemgeschäft eingestellt: Wie schon 2015, will man, so auch künftig - selbst in den in dieser Industrie sehr ausgeprägten konjunkturellen Schwächephasen -  Marktanteilsteigerungen erzielen.

Unterdessen scheint sich im Militärgeschäft ein grundsätzlicher Trendwechsel zu vollziehen. Übrigens durchaus u.E. mit Umsatzrelevanz bereits im laufenden Jahr! Mit viel Aufmerksamkeit wurden die jüngst bekanntgewordenen Investitionspläne (€ 130 Mrd. umfassender 10-Jahresplan) aus dem Bundesverteidigungsministerium auch in Jena registriert und diskutiert.

Vor dem Hintergrund dieses unübersichtlichen Bildes wurden die jüngsten Bestellstatistiken aus dem Jenoptik-Konzern vom Kapitalmarkt mit großer Aufmerksamkeit aufgenommen und in der Telefonkonferenz mit dem Vorstand diskutiert. Der Konzernauftragsbestand betrug ersten Berechnungen zufolge Ende 2015 über € 370 Mio. (31.12.2014: € 422,5 Mio.). Analysten sahen darin einen Hinweis auf einen bevorstehenden Umsatzrückgang? Das Management beruhigte: Der Rückgang sei im Wesentlichen auf die begonnene Abarbeitung mehrjähriger Großaufträge im Segment Verteidigung & Zivile Systeme zurückzuführen.

Weiterer Diskussionspunkt war die gesunkene Konzern-Book-to-Bill-Ratio. Im Geschäftsjahr 2015 erhielten die Thüringer Aufträge im Umfang von mehr als € 635 Mio. Der Auftragseingang lag damit nach vorläufigen Berechnungen zwar unter dem Umsatzniveau (wg. Orderrückgang aus dem Segment Verteidigung & Zivile Systeme) aber dennoch über dem Vorjahreswert (i.Vj. € 589,2 Mio.). Auch in diesem Zusammenhang blieb der Vorstand bei seiner Einschätzung eines „moderaten Wachstums“ für 2016 und verwies auf eine differenzierte Sichtweise (L&OS-Orders blieben stabil; in der Messtechnik kam es – wenn auch mit Hilfe der zugekauften Vysioncs - sogar zu einem Anstieg).

Aus Sicht des Vorstandes liefert die Orderlage und die Projektpipeline im laufenden Geschäftsjahr die Basis für ein alles in allem gesehen moderaten und profitablen Wachstums. Die Botschaft für den Kapitalmarkt scheint uns angekommen - die Einschätzungen werden vorsichtiger!

Eine quantitative Finanzprognose wurde mit Verweis auf die noch laufenden Abschlussarbeiten für 2015 und die vorhandenen Unsicherheiten für die Geschäftsplanung noch nicht veröffentlich; die detaillierte Jahresplanung soll vielmehr anlässlich der Bilanzvorlage am 22.03.2016 vorgestellt werden. Die Mittelfristplanung dagege

 

n wurde ausdrücklich bestätigt. Wie bereits im zurückliegenden Jahr, so will der Vorstand auch für das laufende Geschäftsjahr mit einer eher vorsichtigen Kommunikationspolitik der im Zeitablauf wachsenden Konkretisierung der zu veröffentlichenden Finanzplanung das Risiko einer Erwartungsverfehlung möglichst klein halten. Die Erfahrungen aus 2014 wirken also noch nach!

Ohne Verzug dagegen will die Firmenleitung die Unternehmensstruktur- und -kultur in der anlaufenden „Phase 3“ der Unternehmensentwicklung noch stärker in Richtung Kunden und internationale Expansion ausrichten, so unser Eindruck in den Gesprächen in Jena. Schnelleres Identifizieren, zügiges Agieren und die Umsetzung von Kundenanforderungen soll nicht nur dem Topline-Wachstum zu Gute kommen, die Kapitaleffizienz und schließlich die Profitabilität sollen hierdurch auf ein höheres Niveau gebracht werden. Was wohl zu einem zentralen Aufgabenfeld des neuen CFO Hans-Dieter Schumacher gehört. Ergänzende Effizienzprogramme sollen Mittel freimachen, die in die aufzubauende Organisation fließen müssen. „Go lean“, „JOE“, „Market Excellence“ heißen die vorgestellten Programme, die unter dem JEP-Schirm „From Good to Great“ führen sollen.

Seit Jahresbeginn gilt die neue – stärker in Richtung Kunden orientierte – Aufbauorganisation und damit der neue Reporting Standard im Drei-Segmente-Konzern. Es gilt das volle Potenzial des Unternehmens auszuschöpfen – auch und erst recht in schwierigeren Zeiten.

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