ARCAM AB und Concept Laser gehen an GE – Markt wird „überschaubarer“

December 2, 2016

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Turbulenzen im Markt für 3D-Metalldruck-Systeme wäre es für uns eine Überraschung gewesen, wäre es SLM Solutions gelungen die Kunden so schnell und in hoher Zahl – trotz der erhöhten Unsicherheiten - zu Bestellungen zu bewegen. Uns überrascht die Reduktion (s. u.) der Jahresziele für das laufende Jahr somit nicht! Wichtiger erscheint uns die aktuelle Orderentwicklung, aus der sich Einschätzungen für die künftige Geschäftsentwicklung ableiten lassen. Konkrete Zahlen werden vom Unternehmen leider nicht genannt und dürften wohl erst mit der Veröffentlichung der vorläufigen Jahreszahlen kommuniziert werden, womit wir zum Ende Februar 2017 rechnen. Wir erwarten also noch einige Wochen Unsicherheit. Erst im Frühjahr wird sich u.E. mit ausreichender Klarheit abschätzen lassen, wie schnell in Zukunft das Wachstum bei SLM Solutions sein wird.

 

Die Anfang November in Frankfurt/M. stattgefundene Branchenmesse formnext war von den anhaltenden Turbulenzen in der Branche geprägt. Auch SLM Solutions hatte sich mehr Orders versprochen, aber insbesondere die Gruppe der Neukunden war es wohl, die zögerte. Verständlich, denn mit der Entscheidung für einen Maschinehersteller ist – neben der geschäftsstrategischen Entscheidung -  die Fragestellung der Produktions-Qualifizierung verbunden. Ein aufwendiger Prozess, den man nicht unbedingt mehrmals durchlaufen will. Viele dieser Kunden haben mit der Unterschrift also noch gezögert, wenngleich das Angebot bei SLM Solutions durchaus überzeugte.

 

In der Gruppe der Bestands- und Produktionskunden war nach unserem Eindruck auf der Messe diese Zurückhaltung nicht zu spüren, zumal hier konkrete Kapazitäts- und Produktionsanforderungen der herausragende Treiber sind (was Übrigens wohl auch für den Bestandskunden GE zum gewissen Maße Gültigkeit haben dürfte).

 

Hier spielte naturgemäß der Leistungsvergleich zwischen den Anbietern von Systemen mit vier Laserköpfen eine größere Rolle. Diese Systeme, die nicht nur von SLM Solutions, sondern inzwischen auch von EOS und von Concept Laser angeboten werden, wurden intensiv verglichen. Unseres Erachtens hat der Lübecker 3D-Drucker technisch immer noch die Nase vorne. Weshalb für das kommende Geschäftsjahr auch grundsätzlich Optimismus angezeigt scheint. Die Abnehmerbranchen verhalten sich in der Breite trendstabil, so dass künftig wieder Marktanteile gewonnen werden können.

 

In der Zwischenzeit wird die SLM Solutions Group – so das offizielle Statement aus Lübeck - unverändert ihre Strategie verfolgen, sich zu einem integrierten Systemanbieter (Software und Pulver) im Bereich der additiven Fertigung weiterzuentwickeln. Umso wichtiger, denn die künftigen Chancen auf ein schnelleres Wachstum müssen aus eigener Kraft erarbeitet werden.

 

Unterdessen wird die Gruppe der Anbieter leistungsstarker Metall-3D-Drucker deutlich kleiner, denn der GE-Konzern hat seine Expansionspläne (Kauf von Concept Laser und Arcam AB) in der Zwischenzeit umgesetzt. Wir berichteten im November darüber, dass der US-Konzern beim fränkischen 3D-Druck-Anlagenbauer Concept Laser für € 549 Mio. 75 % der GmbH-Anteile (+ Option auf die restlichen 25 %) an dem Familienunternehmen aus Lichtenfels erworben hatte. Die 200 Mitarbeiter zählende Firma, mit Niederlassung auch in den USA, zeigte erstmals auf der formnext eine leistungsstarke Vier-Laser-Maschine und hat damit zur Spitzengruppe in der Branche aufgeschlossen.

 

Das Angebot von GE für den SLM Wettbewerber Arcam AB aus Schweden wurde bis in den November hinein verlängert und der Übernahmepreis um SEK 15,-/Aktie auf SEK 300,-/Aktie angehoben. Ein durchaus strategischer Preis, nach unseren Recherchen in der Peergroup. Am heutigen 02. Dezember 2016 gab GE bekannt, dass die Andienungsschwelle von 75% der Arcam A/B-Aktien mit 76,15% überschritten worden sei.

 

Darüber hinaus bündeln Renishaw plc und Dassault Systèmes SA ihre Kräfte bei der Systemsteuerung für 3D-Druck-Prozesse. Die französische 3DEXPERIENCE Plattform (für Planung Design etc.) wird – so die Pressemitteilung im November - künftig direkt mit der AM-Produktionssteuerung für 3D-Druck der Briten verbindbar sein.

 

Die per Adhoc vom 01.12.2016 kommunizierte Guidance-Reduktion senkt den erwarteten Korridor des Jahresumsatzes 2016 um € 10 Mio. auf € 75 - 80 Mio. ab. Im laufenden Schlussquartal sind zur Erreichung der Prognoseschwelle ca. € 26,6 Mio. Verkaufserlöse nötig. Im Vorjahr erzielte man im Q4/15 € 32,2 Mio. Quartalserlöse -  eine „lösbare Herausforderung“ so unser Eindruck. Die EBITDA-Marge wird folglich im Geschäftsjahr 2016 nur einstellig, aber immer noch im positiv, sein können, denn dem Minderumsatz steht eine auf Expansion ausgerichtete Personal- und Kapazitätsausstattung gegenüber.

 

Daran wird dem Vernehmen nach auch nichts geändert - schließlich gilt es 2017 wieder deutlich schneller als zuletzt zu wachsen. Die Aussprache auf der kommenden Hauptversammlung könnte somit spannend werden. Dann könnten 31,5 % der Aktien der Gesellschaft, die wohl von Altaktionären gehalten werden, dem SLM-Aktienpaket des Hedgefonds Elliott gegenüberstehen.

Please reload

.
Aktuelle Veröffentlichungen
Please reload

Archive
Please reload

© 2019 by D. Grossjohann/EQUI.TS GmbH