GE Aviation auf Einkaufstour in Europa, „Nimm 2“ - reloaded

October 31, 2016

Am 24. Oktober 2016, 24 Uhr war es soweit. Mit der Verfehlung der Mindestannahmequote von 75% der ausstehenden SLM Solutions-Aktien ist eine der Vollzugbedingungen nicht eingetreten und das Angebot auf Übernahme durch GE Aviation daraufhin erloschen. Enttäuschung beim SLM-Vorstand, bei GE Aviation und an der Börse.

Der US-Investor Paul E. Singer hatte die Übernahmepläne von General Electric (GE) für die SLM Solutions Group AG durchkreuzt. Sein Hedgefonds Elliott, der insgesamt mehr als 20 % des Grundkapitals an dem 3D-Druckerhersteller hält, lehnte das Übernahmeangebot mit der Begründung es „sei nicht im besten Interesse der SLM-Aktionäre“ ab.

GE hatte € 38,- je AM3D-Aktie geboten, insgesamt € 683 Mio. Einen Tag vor Ablauf der Annahmefrist hatte der US-Mischkonzern aber erst 40,7% der Anteile unter seiner Kontrolle – 75% waren das Ziel. Doch statt das Angebot zu erhöhen, zog sich GE aus dem Übernahmepoker zurück.

 

In der Pflichtmitteilung heißt es, Singer strebe einen Austausch des Managements und eine wesentliche Änderung der Kapitalstruktur - "vor allem mit Blick auf die Dividendenpolitik und das Verhältnis von Eigen- und Fremdfinanzierung" - an. Er schließe aber auch nicht aus, seine SLM-Aktien am Ende zu verkaufen.

Die kommende Hauptversammlung könnte somit spannend werden. Dann könnten 31,5 % der Aktien der Gesellschaft, die wohl von Altaktionäre gehalten werden, den SLM-Aktienpaket des Hedgefonds Elliott gegenüberstehen. Der Termin der kommenden ordentlichen HV ist noch nicht veröffentlicht.

 

In der Zwischenzeit wird die SLM Solutions Group – so das offizielle Statement aus Lübeck - unverändert ihre Strategie verfolgen, sich zu einem integrierten Systemanbieter im Bereich der additiven Fertigung weiterzuentwickeln. Die aus der angestrebten Zusammenführung mit GE möglichen künftigen Chancen auf ein schnelleres Wachstum scheinen gleichwohl vorerst begraben. Und das Wettbewerbsumfeld wird nicht einfacher (s.u.). Noch gibt es keine belastbaren Hinweise wie sich die Kundenbeziehung zu General Electric entwickeln wird. GE kennt SLM bereits seit Jahren; die Amerikaner sind Anwender und Kunde seit der Anfangszeit. In diesem Zusammenhang ist dem Hinweis des CFO Uwe Bögershausen nur zuzustimmen, der jüngst darauf hinwies, dass „das Übernahmeangebot und dessen Verlauf allerdings für eine erhöhte Unsicherheit im Markt für additive Fertigung und auch bei unseren Kunden und Mitarbeitern geführt“ hat.

 

Gleichwohl, die Jahresziele für die Steuerungskennzahlen Umsatz und bereinigtes EBITDA könnten aus Unternehmenssicht weiterhin erreicht werden, sind aber wie im Vorjahr im besonderen Maße vom Ablauf des traditionell bedeutenden Jahresschlußquartals 2016 abhängig. In den nächsten Tagen wird es spannend werden. Der erste große Praxistest wird auf die wichtige Branchenmesse formnext in Frankfurt stattfinden.

 

Kurz darauf, am 10.11.16, wird über den Geschäftsgang des Q3/16 berichtet werden. Ob dann der anlässlich der Veröffentlichung des Halbjahresberichts durchscheinende Optimismus noch Bestand haben wird, ist sicherlich vom Verlauf des Messeauftritts abhängig und heute noch nicht abzusehen.

 

Unterdessen hält der GE-Konzern seinerseits offensichtlich an seinen Expansionsplänen fest. Mit Produkten aus 3D-Druck-Verfahren will man bis 2020 jährlich eine Milliarde Dollar umsetzen. Zudem sollen die Materialkosten im Konzern in den kommenden zehn Jahren um US$ 3 bis 5 Mrd. gesenkt werden. Mit dem geplanten Kauf von zwei europäischen Herstellern über insgesamt rund US$ 1,4 Mrd. forciert der US-Konzern, laut Pressebericht, den Ausbau dieses Bereichs spürbar. Um das zu erreichen, blieb man auch in den letzten Wochen nicht untätig:

Das Angebot für den SLM Wettbewerber Arcam AB aus Schweden wurde bis in den November hinein verlängert und der Übernahmepreis um SEK 15,-/Aktie auf SEK 300,-/Aktie angehoben. Ein durchaus strategischer Preis, nach unseren Recherchen in der Peergroup.

 

Und in Deutschland? Auch hier wurde man fündig; und zwar rund 400 Kilometer südlich von Lübeck, beim fränkischen 3D-Druck-Anlagenbauer Concept Laser. Der Konzern erwirbt für € 549 Mio. 75% der GmbH-Anteile (+ Option auf die restlichen 25%) an dem Familienunternehmen aus Lichtenfels. Die 200 Mitarbeiter zählende Firma, mit Niederlassung auch in den USA, scheint uns mit ihrer LaserCUSING-Technologie durchaus eine adäquate Alternative. Laut Firmenangaben sollen bis Ende 2015 bereits 550 Laserschmelzanlagen (vorwiegend für die Luft- und Raumfahrtindustrie sowie die Medizintechnik- und Dentaltechnikbranche) im Feld stehen. Die im Jahre 2000 gegründete Firma wird im Fränkischen weiterhin ihre Zentrale haben. Auch das Management um Gründer Frank Herzog bleibt vorerst an Bord, hört man.

 

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