Neues Zeitalter: Technologie-Führer VERBIO präsentiert sich ihren Aktionären zur ordentlichen HV in Leipzig am 29.01.16

January 13, 2016

 

Die VERBIO - Vereinigte BioEnergie AG aus dem sächsischen Zörbig hat für den 29.01.2016 zu ihrer diesjährigen ordentlichen Hauptversammlung in Leipzig für das Geschäftsjahr 2014/15 (01.07.2014 - 30.06.2015) eingeladen. Eine kurze Agenda und traditionell hohe Zustimmungsquoten zu den Beschlussvorschlägen der Verwaltung (Vorjahr jeweils 99 %) sprechen – nach dem ersten Anschein - für eine „ruhige“ HV. Doch eine nähere Analyse macht deutlich, dass das Geschäftsjahr 2014/15 mit der Rückkehr zu „üblichen“ Gewinnmargen (begleitet vom Trendwechsel des Aktienkurses) und dem erfolgreichen Produktionsstart des Projektes „NER300“ u.E. das Zeug zur Zeitenwende hat. Abgesehen davon gelten Änderungen im Vergütungssystem (TOP 6) grundsätzlich als Garanten für eine „intensive Diskussion“. Ferner dürfte der Ausschüttungsvorschlag (€ 0,10 Dividende je Aktie – bei einem EPS von € 0,43/ Aktie) - vor dem Hintergrund der operativen Entwicklung - von nicht wenigen als „moderat“ eingestuft werden.

 

Das zurückliegende Geschäftsjahr war – wie erwähnt - sehr erfreulich, nicht nur aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Mit der planmäßigen Inbetriebnahme der neuen Stroh-Biomethananlage wurde bei VERBIO das Zeitalter der großtechnischen Herstellung von fortschrittlichen Biokraftstoffen der sogenannten zweiten Generation, die ohne die Verwendung von Nahrungsmittelrohstoffen hergestellt werden, eingeläutet. Dabei ist der Weg, ausschließlich aus Stroh in einer Monovergärung Biomethan am Standort Schwedt zu produzieren, einzigartig. Seitdem werden kontinuierlich monatliche Produktionsmengen im einstelligen Gigawattstunden-Bereich in das lokale Erdgasnetz eingespeist. Nicht nur in Brandenburg, Sachsen-Anhalt, also national, sondern auch international sieht man sich in einer führenden Technologieposition. Darauf nimmt auch die Unternehmensstrategie mit „Biofuels and Technology“ Bezug. Ein guter Grund nach Sachsen zu schauen.

 

Betriebswirtschaftlich waren die Kennzahlenverbesserungen maßgeblich auf die höhere Auslastung der Produktionsanlagen und die Wirksamkeit weiterer Effizienzsteigerungen in den Segmenten Bioethanol und Biodiesel zurückzuführen. Die im Zeitraum vom 1. Juli 2014 bis 30. Juni 2015 produzierte Menge an Biodiesel und Bioethanol erhöhte sich um 10 % und betrug insgesamt 691 Mio. Tonnen. Darüber hinaus wurden im Geschäftsjahr 2014/2015 mit 4,7 Tausend  GWh Biomethan insgesamt 45 % mehr produziert als in der Vorjahresperiode.

 

Gj 2015-16: kräftige Ergebnisverbesserung

Was die Perspektiven für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 betrifft, hatte der Vorstand um Claus Sauter im November ein Ziel-EBITDA in der Größenordnung von € 50 Mio. (Gj. 2014/15: € 50,7 Mio.) kommuniziert. Davon abgeleitet sollte das „Net-Cash“ bis zum Ende des Geschäftsjahres auf eine Größenordnung von € 38 Mio. - also um reichlich € 10 Mio. - steigen. Bereits damals wurde die Frage gestellt, ob diese Zielvorgabe nicht zu konservativ sei. Und seither sind die Aussichten - trotz anhaltender Backwardation auf dem Ethanolmarkt - u.E. nicht schlechter geworden.

Trotz anhaltend leicht sinkendem Kraftstoffabsatz im Inland und des gedrückten Benzinpreises bleiben die Ethanolpreise in den zurückliegenden Quartalen erfreulich hoch. Das dürfte eine deutliche Margenverbesserung zur Folge gehabt haben, zumal auch die Auslastung der aktiven Marktteilnehmer dem Vernehmen nach „sehr erfreulich“ sein soll.

Am 04.02.2016 wird über das H1/15-16 und wieder über Wachstum berichtet werden. Ein 6-Monats-EBITDA von rund € 35 Mio. scheint erreichbar – u.E. mit Konsequenzen für die Guidance 2015-16! Ein Grund mehr künftig nach Sachsen zu schauen.

Zum Vergleich: im H1/14-15 wurde ein Umsatz/EBITDA von € 308/ € 26 Mio.; bzw. ein EPS € 0,19 ausgewiesen.

 

Seit Mitte 2015 hat sich der Bio-Diesel- und Bioethanol (C2)-Markt in Europa von der allgemeinen Entwicklung für Kraftstoffe abgekoppelt. Der zum US$ schwache EURO schottet (zusammen mit den diversen Zöllen) aktuell Europa von Importen aus den USA ab. Auch Bioethanol- Einfuhren aus Brasilien haben Seltenheitswert, nachdem dort die Binnennachfrage durch die verordnete Erhöhung der Ethanolbeimischung im Transportsektor (trotz Rezession) massiv gestiegen ist. Die im Frühjahr 2015 angepassten RED-Ziele in der EU bekamen per 15.09.2015 Gesetzeskraft - was fehlt, sind verlässliche Rahmendaten über das Jahr 2020 hinaus.

Zuvor, 2017, soll die aktuell gültige THG-Quote von 3,5 % auf 4,0 % steigen und dann per 01.01.2020 auf 6 % springen. Die Industrie dagegen plädiert für einen zeitlich vorgezogenen, graduellen Anstieg der Quote.

Ohne diesen Vorzieheffekt dürfte auch 2016 das Marktvolumen für Biokraftstoffe in Deutschland, wie bereits 2015, leicht sinken und erst 2017 leicht ansteigen. Nachfragewachstum muss also durch die Einführung nationaler Quoten und/oder Exporte bzw. aus neuen Märkten kommen. Ob sich z.B. der Wärme-Markt als neues Absatzgebiet (für Bio-Diesel) erschließen lassen kann, wird sich zeigen. Im Frühjahr 2016 will die EU-Kommission in einem Strategiepapier zum Thema Heating and Cooling fünf „Issue Papers“ vorlegen. Es geht um nicht weniger als 40% des Primärenergie-Einsatzes in der EU! Erneuerbare Energien haben bis jetzt nur rund 17% Anteil an Wärme-Markt (Heizung und Kühlung).

 

Europäische Marktkonsolidierung wird fortgesetzt

Unterdessen wird mit Spannung nach Spanien geschaut, wo sich in den kommenden Wochen das Schicksal des führenden Umwelt-Konzern Abengoa entscheiden wird. Eine verfehlte Unternehmensstrategie und die Folgen von Subventionskürzungen haben dem schwerpunktmäßig im Solarsegment tätigen Unternehmen schwer zugesetzt - es ist überschuldet. Die Zeit läuft ab, um noch eine Einigung mit den Gläubigern zu erzielen und nach einem neuen Investor Ausschau zu halten. Vor diesem Hintergrund wurde in den USA zum Jahresende 2015 sowohl die Abengoa Bioenergy-Anlage in Colwich, Kansas (Mais-Basis) als auch die Ethanol-Raffinerie (Stroh-Basis) in Hugoton, Kansas geschlossen. Eine Chance auch für VERBIO? Ein weiterer Grund künftig genauer nach Sachsen zu schauen.

Auch nach den jüngsten Kapazitätsausweitungen werden in den USA Geschäftschancen für Biofuels gesehen. Die Ziel-Quote für Bio-Ethanol (2. Generation) für 2016 in den USA aus Stroh etc. steht bei 230 Mio. gallons p.a. (2015: 123 Mio. gallons p.a.). Viele Beobachter sehen im Export nach Europa die mittelfristige Stoßrichtung. Unter einer wesentlichen Bedingung: der €/US-$-Kurs muss wieder über US-$ 1,25 gestiegen sein.

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