„Nimm 2“ – GE Aviation bietet für SLM und Arcam

September 6, 2016

Am 06.09.2016 veröffentlichte der weltweit führende Hersteller von Flugzeugtriebwerken GE Aviation (Teil des General Electric-Konzerns) sein freiwilliges öffentliches Übernahmeangebots für alle ausstehenden Aktien der SLM Solutions Group AG (Kürzel AM3D -  ISIN: D000 A11 11338).

Den Aktionären bietet GE Aviation einen Geldbetrag von € 38,00 je Aktie. Vorbehaltlich der Prüfung der Angebotsunterlage beabsichtigen Vorstand und Aufsichtsrat von SLM Solutions, das geplante Übernahmeangebot auf Basis einer getroffenen Zusammenschlussvereinbarung zu unterstützen. Die Ankeraktionäre unterstützen das Angebot. Sollte das Übernahmeangebot erfolgreich sein, werden 31,5 % der Aktien der Gesellschaft, die derzeit von Altaktionäre gehalten werden, auf GE Aviation übertragen: Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Joachim Ihde hält über die Ceresio GmbH derzeit rund 24,1 % der 17.980.867 SLM Solutions-Aktien. Das Vorstandsmitglied Henner Schöneborn und seine Familie halten derzeit Aktien in Höhe von ca. 2,0 %. Weitere ca. 5,4 % der Aktien an der SLM Solutions Group AG werden von der Parcom Deutschland I GmbH & Co. KG gehalten.

Die Durchführung des Übernahmeangebots wird unter wenigen marktüblichen Bedingungen stehen, insbesondere dem Erreichen einer Mindestannahmeschwelle von 75 % und der Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden.

 

General Electric kennt SLM bereits seit Jahren; die Amerikaner sind Anwender und Kunde seit der Anfangszeit. In der Luft- und Raumfahrttechnik haben sie eine Vorreiterrolle eingenommen und frühzeitig die Vorteile des selektiven Laserschmelzens – zum Beispiel beim eingesparten Gewicht der Bauteile – erkannt und umgesetzt. Mit der Multi-Laser-Technologie von SLM Solutions und ihren Vorzügen im Wettbewerb sind die Amerikaner also bestens vertraut.

 

Ist das Übernahme-Angebot von € 683 Mio. attraktiv?

 

SLM wächst kräftig; das trifft für die gesamte Branche zu. Nach Analystenschätzungen (Quelle: T/R) soll im Geschäftsjahr 2018 bereits ein Jahresumsatz von € 170 Mio. erreicht werden, was gegenüber dem laufenden Turnus eine Verdopplung wäre! Mittelfristig wird den Lübeckern ein Umsatzwachstum von gut 29% (CAGR 2015-2017) zugebilligt.

 

Ähnlich schnell – so die Analysten-Erwartungen im Mittel - soll der schwedische Wettbewerber Acram AB (+30%) wachsen. Der schwedische Metalldrucker wird auf Basis der 2018er-Schätzungen (und unter Berücksichtigung des GE-Übernahmeangebotes) mit dem 4,3-fachen EV/Umsatz bewertet; das Übernahme-Angebot für SLM bewertet EV/Umsatz 2018e mit dem 2,8-fachen. Die weiteren Wettbewerber (Voxeljet; Stratasys, ExOne) sind dagegen günstiger, was an ihrem relativ geringeren Planumsatzwachstum liegt.

 

Ein Blick auf die erwartete Profitabilität (EV/EBIT) zeigt ein ähnliches Ergebnis. Arcam AB wird - nach aktuellen Schätzungen der Analysten - mit etwa dem 33-fachen (2018e, unter Berücksichtigung Übernahmeangebot) bewertet, was deutlich über der impliziten Bewertung der SLM durch das Übernahmeangebot von GE liegt.

 

Das Angebot für SLM scheint also aus heutiger Sicht die Erwartungen für die kommenden Jahre zu reflektieren - eine darüberhinausgehende, strategische Prämie, wie bei den Schweden, liegt diesem Angebot (aus heutiger Sicht) gleichwohl u.E. nicht zugrunde. Dabei wird dem 3-D-Verfahren disruptive Wirkung auf weite Felder des Maschinenbaues zugebilligt; der Weg von der Teilefertigung für Turbinen (Flugzeugbau oder Energiegewinnung) zum E-Motor sind nicht weit!

 

Die Weiterentwicklung von SLM Solutions zum Anbieter von Lösungen für die additive Fertigung ist für GE Aviation ein strategisch wichtiger Schritt auf dem Weg zum digitalen Industrieunternehmen. GE will – nach Berichten von dpa-afx - mit Produkten aus 3D-Druck-Verfahren bis 2020 jährlich eine Milliarde Dollar umsetzen. Zudem sollen die Materialkosten im Konzern in den kommenden zehn Jahren um US$ 3 bis 5 Mrd. gesenkt werden. Mit dem geplanten Kauf von zwei europäischen Herstellern über insgesamt rund US$ 1,4 Mrd. forciert der US-Konzern, laut Pressebericht, den Ausbau dieses Bereichs deutlich. Zuvor hätte GE seit 2010 rund US$ 1,5 Mrd. in das Fertigungsverfahren investiert.

 

Wenig überraschend erklärte GE Aviation anlässlich des Übernahmeangebots die bestehende innovative Unternehmenskultur von SLM Solutions auch in Zukunft zu fördern. Darunter fällt neben der Zusage, den Hauptsitz in Lübeck sowie die weiteren Standorte der Gesellschaft zu erhalten und auszubauen, auch ein Bekenntnis zur Belegschaft und zum bestehenden Management als Treiber des Unternehmenserfolgs. Darüber hinaus plant GE Aviation, das weitere Wachstum der Gesellschaft zu unterstützen, beispielsweise durch eine verbesserte weltweite Verbreitung der Produkte und Serviceleistungen. Die bestehende Kundenbasis soll erhalten bleiben und ausgebaut werden.

 

Im Mai 2014 erfolgte der SLM-Börsengang und die Aktien wurden zu € 18,00 angeboten. Das frische Kapital floss in die Drei-Säulen-Strategie, die neben dem Ausbau des weltweiten Vertriebs- und Servicenetzwerks auch einen Schwerpunkt auf Forschung und Entwicklung sowie die Weiterentwicklung zum integrierten Lösungsanbieter umfasst. Jüngst wurden strategische Partnerschaften in den Bereichen Verbrauchsmaterialien und Software geschlossen. Die vertikale Expansion in Richtung Metallpulver ist mit dem Joint Venture 3D Metal Powder GmbH im Juli 2016 gestartet worden. Zunächst will man eine Produktion in Leuna für Aluminiumpulver (100 t / J) aufbauen. Die Kooperation für Konstruktionssoftware startete ebenfalls in Q2/16.

 

Das H1/16 verlief mit einem Auftragseingang von 56 (Vorjahr: 40) Maschinen vielversprechend, auch wenn mit Verkäufen von Gebrauchtmaschinen bzw. SLM125ern der durchschnittliche Verkaufspreis sank. Viele neue Kunden und ein hoher Anteil an Produktionsmaschinen lassen auf das H2/116 hoffen. Der Vorstand war denn u.E. auch „optimistisch“ -  mit den Zahlen des Q3/16 könnte eine Guidanceanhebung vorgenommen werden. Auch deshalb ist der kräftige Ausbau der Fertigungs-, bzw. Montagekapazitäten bei SLM in Lübeck von zentraler Bedeutung.

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