Jenoptik startet sehr gut - Guidance bleibt für 2016 verhalten optimistisch

May 23, 2016

Der beeindruckend dynamische Start des thüringischen Optik-Konzerns war erwartet - konkret stieg der gruppenweite Umsatz um 8,5 % auf € 158,2 Mio. Seit Jahresbeginn gilt die neue – stärker in Richtung Kunden orientierte – Aufbauorganisation und damit der neue Reporting Standard. Alle drei Segmente berichteten von Erlössteigerungen. Das gilt auch für die aktuell wenig dynamische Sparte Verteidigung & Zivile Systeme. Die EBIT-Marge des Konzerns verbesserte sich um 20 BP (auf 6,2 %). Ohne die a.o. Entlastungen aus dem Vergleichsquartal 2015 war das Finanzergebnis - trotz gesunkener Finanzierungskosten - wieder auf „Normal-Niveau“, nämlich negativ. Ein EPS von € 0,11 (Q1/15: € 0,14) war die Konsequenz.

 

Für eine Höherstufung der Jahresfinanzplanung sieht der Vorstand keine Grundlage. Das konjunkturelle Prognosebild biete unverändert wenig Visibilität, so die Erklärung in der Telefonkonferenz am 11.05.16. Vor dem Hintergrund dieser unübersichtlichen Nachfrageentwicklung wurden die jüngsten Bestellstatistiken mit besonderer Aufmerksamkeit diskutiert. Der Konzernauftragsbestand betrug per Q1/16 noch € 368,5 Mio. (31.12.2015: € 373,4 Mio.). Wie in den Quartalen zuvor wurde dieser erneute Rückgang von manch einem als Hinweis auf einen bevorstehenden Umsatzrückgang gewertet. Erneut konnte das Management beruhigen: Der Rückgang sei im Wesentlichen auf die begonnene Abarbeitung mehrjähriger Großaufträge im Segment Verteidigung & Zivile Systeme zurückzuführen. In diesem Segment würde erst wieder 2017/18 eine spürbare Erlösdynamik einsetzten, so Dr. Mertin in der Telefonkonferenz. Darüber hinaus verfügt der Konzern über Kontrakte in Höhe von € 19,0 Mio., die nicht im Auftragsbestand enthalten sind.

 

Und die auf 1,00 % gesunkene Konzern-Book-to-Bill-Ratio? Im Q1/16 erhielten die Thüringer Aufträge im Umfang von mehr als € 158 Mio. Der Auftragseingang lag damit zwar knapp unter dem Umsatzniveau (wg. Orderrückgang um 26 % aus dem Segment Verteidigung & Zivile Systeme, was vom Vorstand als „planmäßig“ charakterisiert wurde) aber dennoch über dem Q4/15-Wert (i.Vj. € 157,7 Mio.). Auch in diesem Zusammenhang verwies der Vorstand auf eine differenzierte Sichtweise (Mobility-Orders sanken ggü Q1/15; die Bestellungen im Segment Optics & Life Science wuchsen um 20 % - beide Segmente zeigen gleichwohl Werte deutlich über 100%, was auf Wachstum hindeutet!). Vor diesem Hintergrund blieb die Geschäftsleitung bei ihrer Einschätzung eines „moderaten und profitablen Wachstums“ für 2016.

 

Wie bereits im zurückliegenden Jahr, so will der Vorstand auch für das laufende Geschäftsjahr mit einer eher vorsichtigen Kommunikationspolitik das Risiko einer Erwartungsverfehlung möglichst klein halten.

 

Konkret peilt das Unternehmen also für das laufende Jahr unverändert einen Konzernumsatz zwischen € 680 und € 700 Mio. (2015 € 668,6 Mio.) an. Das operative Ergebnis und das Vorsteuerergebnis sollen ebenfalls moderat steigen. Als Zielmarke wurde eine EBIT-Marge von 9,0 bis 9,5 % (2015: 9,2 %) bestätigt. Allerdings dürften sich die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen nicht verschlechtern. Wichtig zu erwähnen: Zukäufe seien in dieser Prognose nicht enthalten.

 

Jenoptik muss den Wandel vom „Global Seller“ zum „Global Player“ weiter, ja schneller, vorantreiben. Ertüchtigungs- und Optimierungsmaßnahmen sind das Eine, Zukäufe das Andere. Mit inzwischen rekordniedriger Nettoverschuldung und erfreulicher Cash-Generierung ist die finanzielle Stärke und Handlungsfähigkeit größer denn je, so die Einschätzung des CFO Schumacher.

 

Übernahmen schloss Mertin dann auch nicht aus. "Wir schauen uns schon seit einigen Jahren intensiv Unternehmen an", sagte der CEO auf der Telefonkonferenz. Bislang sei Jenoptik aufgrund der zu hohen Preise nicht zum Zuge gekommen.

 

Ohne Verzug wird von der Firmenleitung die Unternehmensstruktur- und -kultur in der noch stärker in Richtung Kunden und internationale Expansion ausgerichtet. Schnelleres Identifizieren, zügiges Agieren und die Umsetzung von Kundenanforderungen soll nicht nur dem Topline-Wachstum zu Gute kommen, die Kapitaleffizienz und schließlich die Profitabilität sollen hierdurch auf ein höheres Niveau gebracht werden. Es bleibt dabei: ergänzende Effizienzprogramme sollen Mittel freimachen, die in die aufzubauende Organisation fließen müssen. „Go lean“, „JOE“, „Market Excellence“ heißen die vorgestellten Programme, die den Optik-Konzern „From Good to Great“ führen sollen.

 

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