Biokraftstoffe in Europa – Preisnormalisierung

Trotz anhaltend leicht sinkendem Kraftstoffabsatz im Inland und des gedrückten Benzinpreises blieben die Ethanolpreise bis Jahresende 2015 erfreulich hoch. Das änderte sich im zum Jahreswechsel 2015/16 – auch für die kommenden Monate werden schwächere Notierungen erwartet. Der Markt normalisiert sich - es herrscht wieder Contango!

 

 

 

Das gilt nicht für die Zielkurs-Schätzungen der meisten Analysten. Für die US-Biofuel-Werte beispielsweise gilt weiterhin positives Kurspotential, obgleich nach den jüngsten Zwischenberichten spürbare Zielkursrevisionen nach unten vorgenommen wurden. Für die deutschen Werte dagegen herrscht ein gemischtes Bild, noch!

 

Abbild der fundamentalen Normalisierung ist der jüngst veröffentlichte Zwischenbericht der VERBIO AG. Der Umsatz stieg im 9-Monatsvergleich um 7 % auf € 479 Mio. Schneller stieg das EBITDA, nämlich um 32,5 % auf € 50,5 Mio. Was für das EPS einen Zuwachs von 58 % auf € 0,41 bedeutet. Separat betrachtet stieg im Q3 2015/16 der Umsatz um 6,5 % auf € 149 Mio. Das EBITDA wurde mit € 11,4 Mio. unter den Vj.-Wert gedrückt; die Marge sank um fast 100 BP auf 7,74 %, was einem „normalen Niveau“ entspricht. Nach Verrechnung des gesunkenen Finanzierungsaufwandes verblieb ein Quartals-EPS auf Vj.-Höhe von € 0,07. Das dritte Quartal im Gj. 2015/16 war aus betriebswirtschaftlicher Sicht also durchaus erfreulich. Nach dem außerordentlichen Q2 2015-16 normalisierten sich die Auslastungsraten. Unterdessen wurde die Stärkung der robusten Bilanz (EK-Quote 76,4 %; Vj.: 65,8 %; Netto-Finanzvermögen € 36,1 Mio. Vj.: €- 9,9 Mio.) fortgesetzt.

 

Betriebswirtschaftlich waren die Kennzahlenverbesserungen maßgeblich auf die Margenausweitung (ggü. Vj.) in den Segmenten Bioethanol und Biodiesel zurückzuführen. Die absoluten C2-Preise blieben rund 20 % unter dem Vergleichszeitraum, was bei ähnlich gesunkenen Rohstoffkosten die Marge ausgeweitet hatte. Die in den Vorquartalen gezeigte sehr hohe Auslastung der Produktionsanlagen konnte im Zeitraum vom 1. Januar bis 31. März 2016 mit 92,5 % nicht erreicht werden und die produzierte Menge an Biodiesel und Bioethanol erreichte mit insgesamt 164 Kilotonnen nicht ganz den Vergleichswert aus Q3 2014-15. Darüber hinaus wurden im aktuellen Berichtszeitraum mit 0,133 Mio. GWh insgesamt 24% mehr Biomethan produziert als in der Vorquartalsperiode.

 

Was die Perspektiven für das laufende Geschäftsjahr 2015/16 betrifft, bestätigte der Vorstand in der Telefonkonferenz das Ziel-EBITDA in der Größenordnung von € 70 Mio. Davon abgeleitet, sollte das „Net-Cash“ bis zum Ende des Geschäftsjahres auf eine Größenordnung von € 58 Mio. - also ggü. Vj. um reichlich € 30 Mio. - steigen. Die Aussichten für das Schlussquartal machen eine Realisierung dieser Ziele wahrscheinlich. In der Telefonkonferenz bezifferte CEO Claus Sauter die Unsicherheiten bezüglich der Erreichung es EBITDA-Ziels mit +/- 5 % um den Zielwert von € 70 Mio.

 

Die Guidance für das kommende Gj. 2016/17 wird wohl im September veröffentlicht werden. Mittelfristig sind keine wesentlichen Kapazitätsausweitungen geplant, so dass das EBITDA u.E. wohl kaum weiter ausgeweitet werden kann, wenn nicht spürbare Preiserhöhungen für Biokraftstoffe eine grundsätzlich neue Planungsgrundlage entstehen lassen würden.

Weiterhin schottet der zum US$ schwache EURO (zusammen mit den diversen Zöllen) aktuell Europa von Importen aus den USA ab. Auch Bioethanol-Einfuhren aus Brasilien haben Seltenheitswert, nachdem dort die Binnennachfrage durch die verordnete Erhöhung der Ethanolbeimischung im Transportsektor (trotz Rezession) massiv gestiegen ist. Gleichwohl, von ihren Höchstständen sind die Bio-Ethanolpreise spürbar gesunken. Für die kommenden Quartale rechnet der Markt in Europa mit weiteren Rückgängen.

Wie 2015 dürfte auch 2016 das Marktvolumen für Biokraftstoffe in Deutschland leicht sinken, und das trotz steigender Kraftstoffverbräuche. Grund dafür sind die erfolgreichen CO2-Einsparungen mit den bestehenden Mengen. Nachfragewachstum muss also durch die Einführung nationaler Quoten und/oder Exporte bzw. aus neuen Märkten kommen. Die im Frühjahr 2015 angepassten RED-Ziele in der EU bekamen per 15.09.2015 Gesetzeskraft - was fehlt, sind verlässliche Rahmendaten über das Jahr 2020 hinaus.

Erst 2017 soll die aktuell gültige THG-Quote von 3,5 % auf 4,0 % steigen und dann per 01.01.2020 auf 6 % springen. Die Industrie dagegen plädiert für einen zeitlich vorgezogenen, graduellen Anstieg der Quote, was abgelehnt worden war.

Weiterhin wird mit Spannung nach Spanien geschaut, wo sich bis Oktober das Schicksal des führenden Umwelt-Konzern Abengoa entscheiden wird. Eine verfehlte Unternehmensstrategie und die Folgen von Subventionskürzungen haben dem Unternehmen schwer zugesetzt - es ist überschuldet. Vor diesem Hintergrund kam es zu einigen Stillständen; gleichwohl die Mehrzahl der Anlagen läuft weiterhin.

Ein weiteres Thema sind die TTIP-Verhandlungen, die nicht ohne Einfluss auch auf den hiesigen Bio-Kraftstoffmarkt bleiben dürften. Käme es zu einer Veränderung bei den Schutzzöllen, würde das Gen-Mais-produzierte Bioethanol aus den USA wohl lokale Ware verdrängen. Hinzu kommen die Ziel-Quoten für Bio-Ethanol der 2. Generation für 2016 in den USA (Bio-Ethanol aus Stroh etc.), die spürbar steigen. Pacific Ethanol begann z.B. im Dezember mit der Produktion in ihrer Stockton-Anlage. Auch der Markt dort wächst (Bundesstaatenweise Einführung der Low Carbon Fuel Standards) doch sind die Überkapazitäten wohl auch in den kommenden Quartalen noch nicht bereinigt. Viele Beobachter sehen im Export nach Europa die mittelfristige Stoßrichtung. Unter einer wesentlichen Bedingung: der €/US-$-Kurs muss wieder deutlich über US-$ 1,25 (wg. Schutzzöllen, Transport etc.) gestiegen sein.

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