formnext 2015 – Fachmesse für 3-D Druck (Messebericht)

November 30, 2015

 

Die formnext wurde erstmals vom 17. - 20. November 2015 auf dem Frankfurter Messegelände durchgeführt. Knapp 9.000 Besucher kamen – davon 42 % aus dem Ausland - und besuchten 266 Aussteller aus der Maschinenbauindustrie, insbesondere den additiven Fertigungstechnologien - kurz 3D-Druck. Das Messe-Debut wurde von den Teilnehmern als sehr gelungen bewertet. Im nächsten Jahr wird die Präsenz einiger Aussteller auf der formnext 2016 wohl noch ausgebaut werden.

 

Als vollen Erfolg qualifizierte auch SLM Solutions ihren Messeauftritt. CFO Uwe Bögershausen nannte zwar keine Zahl, der auf dem Branchentreffen erzielten „leads“, doch machte er in seinem Vortrag auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt/M. deutlich, dass diese „hoch“ sei. Das war auch unser Eindruck, als wir im Rahmen des Messebesuchs den Stand der Lübecker besuchten.

Bis September registrierte SLM Solutions bereits 64 Maschinenbestellungen (+78 % ggü Vj.). Für das Gesamtjahr sollen es über 100 Maschinen-Orders werden. Im traditionell starken Schlussquartal stehen die Chancen somit gut 2015 einen kräftigen Order- und Umsatzanstieg zu erzielen. Eine steigende Zahl an Systemverkäufen in Kombination mit einem höherwertigen Produktmix sollte Basis hierfür sein. Dazu kommt der steigende Anteil an Aufträgen von US-Kunden (Wechselkurseffekt).

Die Guidance 2015 mit einem Umsatzanstieg auf € 55 - € 60 Mio. (> 64 % ggü Vj.) dürfte übertroffen werden. Das gilt nicht zwingend für die anvisierte adj. EBITDA-Marge (12-13 %; Vj. 13,4 %), denn R&D-Kosten und Aufbau der Verkaufs- und Servicestrukturen - beides Vorbedingungen für weiteres Wachstum - sind kräftig gestiegen.

Auch die FIT-Gruppe, eine der bedeutenden Kunden der Lübecker, soll wieder (zwei SLM 500HL Systeme) geordert haben.

Die FIT-Gruppe expandiert sehr stark und investiert rund € 20 Mio. in ein Zentrum für Additive Fertigung. Anfang 2016 soll in Lupburg (Oberpfalz) die nach Firmenangaben weltweit erste Fabrik, die vollständig für die industrielle Serienfertigung mittels additiver Verfahren geplant ist, in Betrieb genommen werden. Insgesamt 70 neue Arbeitsplätze könnten bis zum Sommer 2016 in Bayern entstehen. Weltweit arbeiten derzeit 190 Angestellte für die drei Firmen der FIT-Gruppe. Der Mittelständler will mit der Investition zum US-Konzern General Electric aufschließen. Zu den 30 Maschinen, die für die Fabrik zur Verfügung stehen werden, gehören neun Laserschmelzanlagen, darunter bereits acht SLM 500HL, die als die besten Modelle des Lübecker Gerätebauers SLM Solutions gelten.

Mit 20 Jahren Erfahrung hat sich FIT von einem Technologiepionier zum global aktiven Lohnfertiger und Outsourcing-Partner entwickelt. Die Nachfrage nach 3D-gedruckten Prototypen und serienreifen Bauteilen ist insbesondere in den Sektoren Automobiltechnik, Luft- und Raumfahrt sowie Medizintechnik groß. Bereits während der vergangenen 12 Monate wurden die Produktionskapazitäten verdoppelt. Im September berichteten die Oberpfälzer über die Vereinbarung zu einer strategischen Zusammenarbeit mit Autodesk Inc. (Nasdaq: ADSK). Die Amerikaner übernehmen die am Hauptstandort in Lupburg ansässige Tochter netfabb, die industrielle Softwarelösungen für additive Fertigung und Design entwickelt. Darüber hinaus wird Autodesk strategisch in das netfabb-Mutterunternehmen FIT investieren, das ebenfalls als Anbieter von Software und Services im Bereich der additiven Fertigung agiert. Beide Unternehmen werden zukünftig bei der Entwicklung neuer Technologien für diese zukunftsweisende Fertigungsmethode zusammenarbeiten. Aufgebaut werden kann auf die erst kürzlich erfolgreiche Entwicklung des Dateiformats 3MF als weltweitem Industriestandard für die gesamte Branche der Additiven Fertigung durch Microsoft und netfabb.

Auffällig war, dass TRUMPF auf dem Branchentreffen wieder präsenter war. Mit dem Joint Venture mit dem spanischen Laserhersteller Sisma startete TRUMPF im Mai 2014 erstmalig seine Bemühungen, sich auf dem Markt für industriellen 3D-Metalldruck zu positionieren. Mit der auf der diesjährigen formnext vorgestellten neuen LMF-Maschine Truprint 1000 zielt Trumpf auf die Kleinserien-Anforderungen bzw. auf die Herstellung komplexer Geometrien. Das kompakte Modell kann Bauteile mit einer Größe von maximal 100 mm Höhe und 100 mm Durchmesser generieren.

Gemeinsam mit der seit 15 Jahren etablierten und kontinuierlich weiterentwickelten Technologie Laser Metal Deposition (LMD), hat TRUMPF als weltweit einziger Hersteller alle relevanten Lasertechnologien für den industriellen 3D-Druck im Programm. LMF (Laser Metal Fusion) und LMD.

 

Die Systemeffizienz - gemessen an der sogenannten „built-rate“ ist die zentrale Kenngröße. Um schneller zu arbeiten, setzt SLM Solutions seit Jahren auf das Multi-Laser-Konzept. Im Flaggschiff-System SLM 250HL sind bis zu vier Laser verbaut. Gespannt wartet die Branche auf ähnliche Systeme beim Wettbewerb - auch dieses Jahr vergebens!

Stattdessen wagt sich der Elektronikkonzern Toshiba in den Markt für 3D-Metall-Drucker und hat einen Prototypen für die Fachmesse Monozukuri Matching Japan 2015 angekündigt. Der 3D-Drucker arbeitet mit der Lasersinter-Technik. Nach Konzernangaben soll die Methode zehn mal schneller sein als bisherige 3D-Metalldrucker. Die Druckgeschwindigkeit beläuft sich Toshiba zufolge auf 110 cm3/sec unter Verwendung eines Lasers mit 800 Watt Leistung. Das Gerät kann rostfreien Stahl, Eisen und das Spezialmetall Inconel in Pulverform verarbeiten. Gemeinsam mit der Tochterfirma Toshiba Machine soll der Drucker mit 3D-CAD-Software kombiniert und nach den Planungen ab 2017 praktisch einsetzbar sein. Gedruckt werden sollen Turbinenteile für Kraftwerke, einen von zwei Endkundenmärkten, aus dem bereits seit einiger Zeit überzeugte 3D-Nutzer stammen.

Der andere wichtige Endkundenmarkt, die Luftfahrtindustrie, produzierte bereits im Jahr 2013 Bauteile mit generativer Fertigung im Wert von € 2 Mrd., wie voestelalpine-Vorstandsmitglied Franz Rotter berichtete. Dabei passt die Nachricht, dass das deutsche Unternehmen MTU Aero Engine (für Airbus als zentralen Auftraggeber) die Massenproduktion von Flugzeugnaben mithilfe neuster 3D-Drucktechnik plant.

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