2. Gewinnwarnung zehrt Vertrauen auf - fehlende Effizienz dürfte mittelfristige Wachstumsperspektiven dämpfen

October 16, 2015

Zum zweiten Mal in diesem Jahr musste Drägerwerk AG & Co KGaA die Finanzprognose für das Geschäftsjahr 2015 zurückschrauben. Am Mittwochmorgen brach der Kurs der Dräger-Vorzugsaktie um 18 % ein und war damit mit Abstand schwächster Wert im TecDax.

Sondereffekte und Konjunktureintrübung in Asien (VR China) wurden als Begründung genannt. Beides sind u.E. Anlässe aber nicht die tieferliegenden Gründe für die massive Plankorrektur. Eine Korrektur, die viel Vertrauen gekostet hat - innerhalb von 6 Monaten hat sich der Aktienkurs halbiert! Vielmehr offenbaren die konjunkturellen Eintrübungen (nur im Segment Sicherheit!) in wichtigen Ländermärkten zusammen mit nachteiligen Währungseffekten die noch vorhandenen Schwächen im aktuellen Angebot bzw. der Konzernaufstellung.

Zu der enttäuschenden Top-Line Entwicklung kam die zu zögerliche Kosteneindämmung. Schließlich waren es noch a.o. Kosten in Höhe von € 20 Mio., die das EBIT im Q3/15 in die Verlustzone drückten. Zusammengenommen soll der EBIT-Verlust im Q3/15 laut Adhoc-Meldung vom 14.10.2015 bei € -23 Mio. (Q3/14: € +47,5 Mio.) liegen. Im H1/15 war der Ordereingang noch um 5,2% (LC) gestiegen – in den vergangenen drei Monaten wurde nun über ein Plus von 1,2% berichtet. Der Q3/15-Umsatz legte um 0,2% (LC) zu.

Für das Gesamtjahr wird die Guidance zum zweiten Mal in diesem Jahr reduziert. Der Umsatz soll währungsbereinigt um 1 bis 3% zulegen, die EBIT-Marge prognostiziert das Management noch mit 2,5 bis 4,5%. Damit dürfte das Schlussquartal 2015 einen Erlösrückgang von rund 10% zeigen, das Quartals-EBIT von dann rund € 60 Mio. vergleicht sich mit dem langjährigen Mittel von rund € 90 Mio.

Die ursprünglichen Finanzprognosen lauteten auf einen Umsatzanstieg von 2 –bis 5% und eine EBIT-Marge von 6-8%. Der anfänglich geplante Konzernerlös von €2.560 Mio vergleicht sich mit einem aktuellen Zielumsatz für 2015 von € 2.450 Mio. – das anfänglich anvisierte Ziel-EBIT von  € 205 Mio. ist auf € 60 bis 65 Mio. abgeschmolzen.

Es sind also nicht nur Konjunkturthemen, sondern Produkt- und Effizienzthemen, deren Lösungen immer drängender werden. In den wichtigsten Auslandsmärkten des Medizin- und Sicherheitstechnik-Herstellers aus Lübeck sind konjunkturelle Bremsspuren unübersehbar. Im Sicherheitssegment sinkt die Nachfrage bei den Öl- und Gas-Kunden, denn der Ölpreisverfall hat zu Investitionsstopps geführt. Der Rückgang ist der stärkste Einschnitt seit der Ölkrise vor 30 Jahren. Nicht nur Dräger spürt diese Entwicklung; bereits Anfang Oktober veröffentlichte der Hersteller von Explosionsschutzeinrichtungen – R.Stahl AG – eine Gewinnwarnung. „Wenn wir unsere Wettbewerbsfähigkeit langfristig sichern wollen, müssen wir angesichts dieser Entwicklung jetzt entschlossen handeln“, so der CEO M. Schomacker. „Die notwendige Verbesserung der Kostenstrukturen erfordert leider auch Anpassungen bei der Zahl unserer Mitarbeiter.“

Ähnliche Nachrichten dürften u.E. in den kommenden Wochen aus Lübeck zu hören sein. Zumal die Funktionskosten nicht erst in der jüngsten Vergangenheit zum Top-Thema beim Konzernvorstand geworden sind. Zum 1. November 2015 wird mit Dr. Reiner Piske als neuem Vorstandsmitglied für den Personalbereich bei Dräger der Konzernvorstand ausgeweitet. Mit über € 1.000 Mio. Personalkosten 2015 werden die Maßnahmen des neuen Vorstandes am Kapitalmarkt mit hoher Aufmerksamkeit beobachtet werden. Mittelfristige Einsparziele in Verwaltung und Vertrieb sind das Eine, Effizienzverbesserungen das Andere.

Das Produktportfolio zeigt einige Lücken, Lücken die seit einiger Zeit identifiziert sind, deren Schließung allerdings noch einige Quartale brauchen wird. Darüber hinaus soll das Programm „Fit for Growth“  eine Beschleunigung und grundsätzliche Prozessverbesserung (F&E-Prozesse, Zulassungen, Launchgeschwindigkeit etc.) bringen, weshalb die Anstrengungen und Ausgaben dort kurzfristig erhöht werden dürften. Alles sicherlich nicht ohne kurzfristigen und dämpfenden Einfluss auf die EBIT-Marge.

 

 

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