Bioethanol-Industrie kommt 2015 aus der Krise – 2016 mit geringer Visibilität, Herstellerdisziplin nötig

September 29, 2015

Trotz anhaltend leicht sinkendem Kraftstoffabsatz im Inland und der Benzinpreis-Kapriolen der vergangenen Monate sind die Ethanolpreise im zurückliegenden Quartal erneut und überraschend kräftig gestiegen. Die Spritpreise sanken zwar um über 15% ggü. Vj., dagegen stiegen die C2-Nymex-Notierungen auf über € 550,-/m³. Die Zwischenberichte der Biofuel-Hersteller (wie CropEnergies AG - CE2, oder VERBIO Vereinigte Bioenergie AG– VBK) zeigten folglich sehr erfreuliche Margenausweitungen – die Prognosen für die kommenden sechs Monate wurden angehoben.

 

Der zum US$ schwache EURO schottet (zusammen mit den diversen Zöllen) aktuell Europa von Importen aus den USA ab. Auch Einfuhren aus Brasilien haben Seltenheitswert, nachdem dort die Binnennachfrage durch die verordnete Erhöhung der Ethanolbeimischung im Transportsektor (trotz Rezession) massiv gestiegen ist. Gegenwärtig ist die EU Bioethanolexporteur! Die im Frühjahr 2015 angepassten EE-Ziele in der EU bekamen per 15.09.2015 Gesetzeskraft - was fehlt, sind verlässliche Rahmendaten über das Jahr 2020 hinaus.

Nach dem Preistief zu Jahresbeginn (siehe EQUI-Blog vom 22.4.15) sind die Bioethanol (C2)-Preise in Europa stetig gestiegen. Die auf Spotbasis gerechnete, industrieweite Verarbeitungsmarge – (C2-Weizen-Spread) verbesserte sich von Jahresbeginn und € -100,-/m³ über € +100,-/m³ im März bis Juli. Stiegen die Benzinpreise in den Monaten bis dahin in ähnlicher Weise, sanken diese im Spätsommer - trotz Urlaubssaison und wegen Rezessionsängsten in Asien - um weit über 15 % ggü Vj. Die C2-Preise dagegen stiegen nochmal um ca. 10 %. Der branchenweite Spread konnte im Folgenden knapp verdoppelt (€ +190,-/m³) werden, denn die MATIF-Weizenpreise sanken unter € 170,-/to (Q2/14: € 201,-/to). Zum einen fiel die erneuerte USDA-Schätzung im September recht optimistisch aus, zum anderen war das Wetterphänomen „El Ninio“ (für die Getreideernte in Australien) kaum ernteschädigend.

Unterdessen erreichte der C2-Produktionszuwachs in Deutschland im H1/15 0,371 Mio. to (+5,2 %). Die noch im Vorjahr rückläufige Produktion von Bioethanol aus Industrierüben stieg wieder an (+21,1 %); der Einsatz von Futtergetreide sank dagegen um 2,3 %. Der deutsche Benzinmarkt entwickelte sich im H1/15 abermals mit 2,0 % rückläufig (8,85 Mio. to). Der Verbrauch von Bioethanol in Beimischungen (ETBE und E85) ging um 3,7 % zurück. Während die Kraftstoffsorte Eurosuper (E5) einen leichten Zuwachs von +1,5 % an den Tankstellen verzeichnete, lag der Absatz von „Normal“ und „Super Plus“ unter dem des Vorjahrs. Auch der Absatz von Super E10 entwickelte sich rückläufig (-11 % auf 1,25 Mio. to) - der Marktanteil sank um 140 BP auf 14,1 %.

Der um 3,7 % gesunkene Verbrauch von Bioethanol im H1/15 deutet darauf hin, dass die Einführung der Treibhausgasvermeidungsquoten (THG) per 1.1.2015 – anders als geplant – nicht zu einer höheren Treibhausgaseinsparung geführt hat. Stattdessen wird die hohe Treibhausgaseinsparung dazu genutzt, die tatsächliche Bioethanol Beimischung zu reduzieren und wieder mehr fossiles Benzin zu verkaufen, was für die Raffinerie- und Tankstellenbetreiber ergebnisverbessernd wirkt.

 

Wie 2015 dürfte somit auch 2016 das Marktvolumen für Biokraftstoffe in Deutschland leicht sinken. Nachfragewachstum muss also durch die Einführung nationaler Quoten und/oder Exporte kommen. Für 2016 ist in der EU mit einem moderaten Absatzszenario zu rechnen. Erst 2017 soll die aktuell gültige THG-Quote von 3,5 % auf 4,0 % steigen und dann per 1.1. 2020 auf 6 % springen.

Die Weizenpreise sehen Experten 2016 im Jahresmittel mit € 180,- bis € 200,-/to leicht über den 2015er Notierungen; je nachdem, wie sich die Importrestriktionen (Russland) entwickeln.

Das Marktgleichgewicht in Europa könnte den C2-Preis in den kommenden Quartalen stabil halten, wenn es nicht zu einer kräftigen EURO-Aufwertung und zu spürbaren Kapazitätszuwachs in der EU käme.

Die US-Zinswende (Dezember 2015?) wird gemeinhin als Schlusspunkt der EURO-Schwäche angesehen. Zeitgleich werden die globalen Konjunkturerwartungen zusehends moderater, was künftig für Bereinigungen im Ölangebot (Schiefergas) spricht. Bis dahin dürfte das Rohöl noch geraume Zeit „zu preiswert“ bleiben.

Entscheidenden Einfluss auf die C2-Preisentwicklung wird also das Kapazitätsmanagement haben. Die Süd-Ost-Europa-Kapazitäten (in Dunaföldvár, Ungarn) und Kapazitäten in Großbritannien (CropEnergies Werk in Wilton) stehen in diesem Zusammenhang im Mittelpunkt des Marktinteresses; wo ca. 0,4 Mio. bzw.ca. 0,2 Mio. Jahrestonnen Bioethanol grundsätzlich auf ihren Einsatz warten. Diese potentiellen Zusatzmengen drücken die Terminpreise auf PLATTS T2 aktuell rund € 100,-/m³ unter die Spotnotierung.

Bei C2-Spot-Notierungen von > € 570,-/m³ wäre eine ENSUS-Produktion wieder profitabel. Dennoch dürfte man in Mannheim zögern, denn der C2-Terminpreis (Sicht: 6 Monate) liegt bei < € 480,-/m³, und damit unterhalb der Rentabilitätsschwelle in Wilton, UK.

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