CropEnergies AG – C2-Preiserholung und Kapazitätsanpassung - Absatzimpuls lässt auf sich warten, begrenzte Visibilität

July 17, 2015

Der Bioethanolmarkt in Europa hat seinen Wendepunkt zu Jahresbeginn hinter sich gelassen. Die Signale von den Produktmärkten stehen auf anhaltende Erholung, doch fehlt insbesondere die kurzfristige Absatzperspektive. Abzulesen ist dies an der (Ethanol)C2-Preisentwicklung, die von Backwardation gekennzeichnet ist, also von künftig eher sinkenden Spot-Notierungen ausgeht. Die Marktteilnehmer in Europa bleiben also vorsichtig.

Umso hilfreicher ist der April 2015, nach über 30-monatiger Diskussion gefundene Kompromiss der EU-Gremien. Der Anteil erneuerbarer Energien im Verkehrssektor, der 2020 bei 10 % liegen soll, wird bis dahin zu 7 % aus konventionellen Biokraftstoffen stammen. Die restlichen 3 % kommen aus Energie aus Abfällen oder Reststoffen, die doppelt angerechnet werden. Der 7 %ige Energiebeitrag konventioneller Biokraftstoffe sollte bis zum Jahr 2020 ein Marktvolumen von 8 bis 9 Mio. m³ Bioethanol schaffen. Das ist zwar weit weniger als die  ursprüngliche Zielsetzung der nationalen Aktionspläne, die 2010 einen Markt von fast 15 Mio. m³ prognostizierten, aber dies ist ein deutlicher Anstieg im Vergleich zum heutigen Kraftstoffethanolverbrauch von 5,3 Mio. m³ (2014). Die spürbar steigende Mengennachfrage dürfte aber erst ab 2017 einsetzen, wenn nach und nach die Umsetzung in nationales Recht in einer wachsenden Zahl von EU-Ländern zu erhöhten Beimischungspflichten führen wird.

Zuvor bleiben der Benzinpreis, die Im- und Exportbilanz der EU in Sachen Ethanol und die Getreidepreisentwicklung für Hersteller wie CropEnergies preisbestimmend, mit entsprechender Auswirkung auf den Jahresüberschuss.

 

Marktbeobachter erwarten aktuell keine kurzfristigen Öl- bzw. Benzinpreisanstiege in Europa, zumal der Verbrauch von Ottokraftstoffen hier auch 2015 rückläufig (-3,7%) gesehen wird.

Der Verbrauch von Bioethanol 2014 lag mit 7,7 Mio. m³ bereits 2014 um 2 % leicht unter Vorjahr, das gilt auch für Kraftstoffethanol.

Deshalb gibt es in Europa einen Verdrängungswettbewerb um die Kapazitätsnutzung und Preisdruck. Statistisch liegt die Auslastungsrate der Anlagen bei unter 65%. Kurzfristige Impulse aus dem Endkundengeschäft sind nicht zu erwarten; zumal der Anteil von E10 (neben Deutschland nur in Frankreich und Finnland erhältlich!) an den heimischen Benzinsorten mit rund 15 % im EU-Vergleich sehr niedrig ist. Das B2B-Geschäft dominiert also. Vom Kraftstoffethanolverbrauch werden fast 90 % den Benzinmischungen E5 und E10 direkt beigemischt und von den Tankstellenbertreibern angeboten. Daran ändert auch die Einführung der THG-Quote in Deutschland nichts. Ab 01.01.2015 wurden die energetischen Mindestanteile von Biokraftstoffen an der Gesamtkraftstoffmenge durch eine Treibhausgasminderungs-Quote (THG-Quote) ersetzt. Die Mineralölunternehmen sind nun verpflichtet, die Emissionen von CO2-Äquivalenten ihrer gesamten Absatzmenge um 3,5 % zu senken. Diese Verpflichtung erhöht sich 2017 auf 4,0 und ab 2020 auf 6,0 %. Auch mit der THG-Quote ist es Mineralölunternehmen freigestellt, auf welche Weise sie die Verpflichtung erfüllen. Möglich ist der Absatz von Bioethanol in Form einer Beimischung (in Super und Super E10), im Benzin-Additiv ETBE und mit der Kraftstoffsorte E85.

Für das Jahr 2015 wird sich an dem Mengengerüst wenig ändern. Die Ethanolproduktion in der EU wird auf 7,7 Mio. m³ (-0,5%) geschätzt; also im Vergleich zu den großen Ethanolerzeugern bescheiden bleiben: in den USA wird über 7 mal so viel produziert und in Brasilien fast 4 mal mehr hergestellt. Die Ethanolpreise für Europa stiegen vom historischen Tief am 15.1.15 von € 417,-/ m³ in kurzer Zeit um 30% auf € 540,-/ m³ im Q2/15. Für die kommenden Monate werden eher wieder leicht nachgebende Notierungen erwartet (Backwardation).

Die Erhöhung der Beimischungspflicht in Brasilien wird den Ethanolexport nach Europa 2015 eindämmen und den heimischen Preis nach Meinung von Marktbeobachtern hier stützen. Ein Export in den Norden, den weltgrößten Ländermarkt, in die USA, ist damit unattraktiv, denn die Überproduktion dort, hat das bilaterale Preisgefälle ausgeweitet. Der latente Importdruck aus den USA in Richtung bleibt bestehen.

Die Preiserwartungen hinsichtlich des Haupteinsatzstoffes, des Getreides, zeigen sich stabil und die Exportaktivität wird bei der Schwäche des Euro für Notierungen um € 170/to bis € 180,-/to Weizen sorgen, obgleich die Lagerbestände 2015 (430 Mio. to) kaum kleiner werden dürften. Das sind Rahmenbedingungen die effiziente Anbieter – trotz Überkapazitäten - wieder Gewinne schreiben lassen.

 

Die ordentliche HV der CropEnergies AG am 14. Juli 2015 nahm alle Vorschläge der Verwaltung mit großer Mehrheit an.

Ferner wurde die angehobene Guidance bestätigt und auf den Hinweis, dass bereits im Q1 über 50% des Ergebnisziels erreicht worden ist, wurde auf die geringe Visibilität der C2-Preisentwicklung verwiesen.

 

Für das gesamte Geschäftsjahr 2015/16 erwartet CropEnergies einen Rückgang des Umsatzes auf €675 Mio. bis €725 Mio. (Vorjahr: €827 Mio.). Das (bereinigte) operative EBITDA soll in einer Bandbreite von €10 Mio. bis €40 Mio. (Vorjahr: €-11 Mio.) liegen. Mit einer C2-Produktionskapazität von 1,2 m³ Mio.p.a. (davon ca. 0,4 m³ Mio. p.a. in Wilton) erzeugt CropEnergies an vier Standorten in Deutschland, Belgien, Frankreich und Großbritannien Bioethanol. „Unser Ziel ist es, bei nachhaltig besseren Ethanolpreisen Ensus kurzfristig wieder anfahren zu können. Einen konkreten Zeitpunkt hierfür gibt es heute aber noch nicht“, so der CEO auf der HV.

Noch herrscht auf dem Terminmarkt für Ethanol Unsicherheit und die Terminpreise liegen mit ca. € 480/ m³ unter dem break-even-Preis in Wilton und gleichzeitig - trotz „driving season“ unter den C2-Spot-Notierungen. Der Markt erwartet also für Ethanol bis Jahresende sinkende Preise. Es gilt u.E. die Terminpreise für Lieferungen zur Jahreswende 2015/16 abzuwarten, bevor eine Entscheidung zu Ensus getroffen werden kann. Berücksichtigt man noch die Anlaufphase sind spürbare Mengen aus Nordengland im Geschäftsjahr 15-16 nicht mehr zu erwarten, und offensichtlich auch nicht Grundlage der gültigen Guidance, die ein „befriedigendes Ergebnis“ ansteuert.

 

Auf der HV wurden auch intensiv die anstehenden Personalien diskutiert. Der Südzucker-CEO der (69% Anteil) Muttergesellschaft Südzucker, Dr. Wolfgang Heer wurde für den im April 2015 zurückgetretenen Lutz Guderjahn als neues Mitglied in den Aufsichtsrat der Gesellschaft gewählt. Einzelentlastung wurden den zeitgleich im April ausgeschiedenen ehemaligen CEO Dr. M. Keil und dem damaligen CFO und heutigen CEO Joachim Lutz erteilt, nicht ohne zuvor intensiv über diese Personalien in der allgemeinen Aussprache zu diskutieren. Die neuen Vorstände Dr. Stephan Meeder (CFO) und Michael Friedmann (CSO) wurden vorgestellt, und dokumentierten den Anspruch der Gesellschaft die Wachstumsstrategie unverändert fortzusetzen und durch Diversifizierung (Futtermittel, Neutralalkohol etc.) und das Risikoprofil des aktuell noch sehr Kraftstoffmarkt-abhängigen Geschäftsmodells künftig nachdrücklicher voranzutreiben. Evolution solle dabei vor Revolution stehen. Neben der Kostensenkung durch fortgesetzte Prozessoptimierung in allen 4 Standorten soll eine verlässlichere Preisfindung für Ethanol-Lieferkontrakte (EU-Benchmark-Richtlinie) die Planungssicherheit erhöhen.

 

Das Geschäftsjahr 2014/15 war das schwierigste in der Firmengeschichte. Der Preissturz von Bioethanol, teils sogar unter die Notierung von Benzin, sorgte für einen Rekordverlust, der Übrigens nicht auf neue Rechnung vorgetragen wurde und somit aktienrechtlich eine zügige Wiederaufnahme der Ausschüttung möglich macht. Worauf der Vorstand in der HV auch mehrfach hinwies.

 

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